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Dort, wo Selma ihr Unwesen treibt-bilde

Seljord – Warnung vor Selma. Foto Marcin Jakubowski

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Dort, wo Selma ihr Unwesen treibt

Jeder kennt Loch Ness und seine legendären Einwohner. Aber was ist mit Selma?

Autor: Marcin Jakubowski

Es ist ein See, von denen es im Norden eine ganze Menge gibt. Seljordsvatnet befindet sich auf einer Höhe von 116 m ü.d.M., seine Fläche beträgt knapp 17 km2 und er gehört zu den klassischen, postglazialen Rinnen. Ein schmales, ein gutes Dutzend Kilometer langes Becken mit der größten Tiefe von 153 m – in norwegischen Bedingungen fällt es einem schwer, sich von dieser Größe beeindrucken zu lassen. Die Legenden besagen aber, dass Seljordsvatnet über eine unterirdische Verbindung zum Meer verfüge.

Ausgeschlossen ist das nicht, denn Langesund, wo die Fjord-Line-Fähren aus Dänemark anlegen, ist von hier nur 100 km entfernt und am Ende der Eiszeit reichte die Meeresbucht bis an die Gegend des heutigen Seljords. Ist also dieser Boden, voller Nischen und Klüfte, verdeckt durch finsteres, eiskaltes Wasser, das Versteck für ein Wesen, das – im Lichte der Erzählungen der Einheimischen – allen taxonomischen Einordnungen entweicht?

Dort, wo Selma ihr Unwesen treibt
Orte, an denen das Ungeheuer gesichtet wurde Autor. Foto: Marcin Jakubowski

Aus der Untiefe auf das Wappenschild

Das erste Dokument über sjøormen stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Gemäß Aufzeichnungen hat damals ein gewisser Landmann aus dem Dorf namens Bø während einer Fahrt über den See die Begegnung mit der Bestie erlebt, die das geschleppte Boot zum Kentern gebracht hat. Man könnte dieses Abenteuer auf starke Wellen, lebhafte Phantasie oder Auswirkungen der Äthanol-Derivate zurückführen, wenn es seitdem nicht über ein halbes Tausend anderer Zeugen gegeben hätte. Auch ihnen war es nicht vergönnt, auf etwas Seltsames zu stoßen. Dieses Etwas ist schwarz und hat, nach zahlreichen Meinungen, einen sehr ausgedehnten, schlangenartigen Körper mit einer Länge von ungefähr 8-15 Metern, obwohl manche auch von einer viel kräftigeren Größe berichtet haben.
In einigen Berichten werden auch knorpelige Fortsätze am Rücken oder Buckel erwähnt. Wobei manche Zeugen behaupten, das Haupt des Ungeheuers erinnere an den Kopf eines Pferdes, sprechen die anderen eher von dem Kopf eines Krokodils, einer Schlange oder… eines Hirsches. Es gibt auch Meinungen, es sei eine der Wissenschaft unbekannte Art eines gigantischen Aales.

Foto vom Hubschrauber
Foto vom Hubschrauber. Foto: Even Birkeland/Sensair AS

Wie dem auch sei, inzwischen hat sich für das Unwesen aus Telemark der Beiname Selma verbreitet, der heute neben solchen bekannten Kreaturen genannt wird, wie der schottische Nessie, der amerikanische Champ oder der kanadische Ogopogo. Lange braucht man übrigens nicht zu suchen – der schwedische See Storsjön rühmt sich eines ähnlichen, geheimnisvollen Bewohners, der unter dem anmutigen Namen Storsie bekannt ist.

Die lokalen Behörden haben das große Werbepotenzial, das die Anwesenheit des angeblichen Seeungeheuers mit sich bringt, rechtzeitig erblickt. Sie haben dieses buchstäblich erblickt, denn Solveig Abrahamsen – die Bürgermeisterin von Seljord – hatte persönlich das Glück, Selma zu sehen. Kein Wunder also, dass die kommunale Verwaltung sich alle erdenkliche Mühe gibt, um für Ereignisse rund um Selma zu werben. Mehr noch, im Jahre 1989 landete Selma auf dem Wappenschild der Gemeinde Seljrod und ist seitdem der offizielle Alliierte im Kampf um die Erkennbarkeit.

Unheimliche Begegnungen der dritten Art

Der vorgenannte Landmann aus Bø – den Quellen nach handelt es sich um Gunleik Andersson Verpe – wurde zum ersten Menschen auf der langen Liste dieser, die das Geheimnis von Seljordsvatnet berührt haben. Besonders bemerkenswert ist der Fall aus dem Jahre 1880, als während der Wäsche am See zwei Einheimische ein Meter langes, dinosaurierartiges Tier getötet haben, das sie für ein junges Exemplar unbekannter Art hielten. Im Sommer 1918 wurden zwei unabhängige Beobachtungen in der Nähe von Sandnes notiert. Karl Karlsson hat gerade geangelt, als etwas Riesiges mit Pferdekopf an ihn so nahe zugeschwommen ist, dass er seine Angeln aufgab und das Heil in der Flucht suchte. Torgil Bjorge dagegen hat schwimmende, schlangenartige Körperteile auf der Wasseroberfläche entdeckt. Bjorge soll auch ein Tier auf dem Ufer gesehen haben, das einem Krokodil ähnelte. Ein ähnliches Abenteuer hat zwei Jahre später Eivind Fjodstuff erlebt, der einen auf das Ufer kletternden „Drachen” gesehen hat.

Weitere interessante Meldungen stammen aus dem Jahre 1963. Torje Lindstøl erzählte von einem großen Tier mit Hirschkopf und Walther Berg von etwas, was über den Daumen gepeilt 10 Meter lang war und sich auf der Oberfläche des Sees auszuruhen schien. Mehrere Ereignisse wurden aus den Autos beobachtet, denn um die Gestade von Seljordsvantet gibt es viele Wege. Im Jahre 1995 konnte Kari Aake mit seiner Familie und anderen zufälligen Fahrern sogar fünf seltsame Wesen beobachten. Alle haben ihre Autos gestoppt, um das geheimnisvolle Geschwader zu beobachten, das bald unter Wasser verschwand.

Für eine Riesensensation sorgte der Bericht zweier Arbeiter der Firma Sensair A/S, die sich mit der Anfertigung der Luftdokumentationen und mit der Überwachung mittels Hubschrauber beschäftigt. Am 11. November 2010, während eines Kontrollfluges in der Gegend von Seljrod, bemerkten Even Birkeland und Eddy Dale zwei geheimnisvolle, bewegliche Schatten in der Nähe der Landzunge Sinnesodden. Dabei haben sich die Schatten seltsam verhalten: sie wechselten die Richtung und schwammen mit einer Geschwindigkeit von circa 15-20 km/h. Nach 6-7 Sekunden tauchten diese, einer nach dem anderen in die Tiefe ab. Man kann sie nur schwer für Gespenster halten, da sie auf der Oberfläche Wellen hinterließen. Birkeland und Dale haben eine Reihe von Fotos gemacht – diese waren in fast allen Medien zu sehen und erweckten die Norweger aus herbstlicher Trägheit. Die beiden Herren, besonnene Techniker, haben zwar von irgendeiner geheimnisvollen Bewohnerin von Seljordsvatnet gehört, doch sie haben diese Geschichten nicht ernst genommen. Nach diesem denkwürdigen Flug im November hat sich das offenbar geändert.

Auf der Jagd nach dem Ungeheuer

Diese zahlreichen Berichte haben die Forscher dieser Phänomene nach Telemark gelockt, denen die Wissenschaft machtlos gegenübersteht oder von denen sie sich der Vorsicht halber fernhält. Suchexpeditionen wurden unternommen, verrückte Projekte wurden umgesetzt – alles umsonst. Na ja, vielleicht fast umsonst…

Bereits im Jahre 1969 haben die Taucher Arne und Alf Thomassen auf dem Seeboden unerklärliche Spuren gefunden, die nur ein Tier hätte hinterlassen können. Aber um das Rätsel dieses Sees zu erklären, war eine Person mit Leidenschaft gefragt. Eine Person wie Jan-Ove Sundberg (1947-2011) – schwedischer Journalist und Forscher ungewöhnlicher Phänomene, der Seljordsvatnet bereits mehrmals besuchte. Eine interessante Persönlichkeit – im Jahre 1997 hat Sundberg das GUST d.h. das Global Underwater Search Team gegründet, indem er etwa 30 internationale Expeditionen organisierte, dank denen er den Ruf des führenden Kryptozoologen gewonnen hat.

Als er hier im Jahre 1977 zum ersten Mal erschien, hat er mit einem Sonar ein deutliches Echo der sich bewegenden Objekte aufgenommen, wobei eine der Anpeilungen sich auf drei Ziele bezog, die parallel zueinander schwammen. Ein Jahr später gelang es ihm, etwas zu filmen, das für eine unbekannte Lebensform gehalten werden kann. Ein interessantes Ergebnis haben die Expeditionen in den Jahren 1998 und 2000 gebracht, als er mittels des durch die schwedische Kriegsmarine gelieferten Hydrophons ein großes, schwimmendes Objekt lokalisiert hat. Die akustischen Aufzeichnungen wurden nach Bergen weitergeleitet, wo die Wissenschaftler aus dem dortigem Institut für Meeresforschung öffentlich erklärt haben, es seien „unbekannte Geräusche eines Säugetieres”. Diese Meinung wurde vom Vertreter der schwedischen Kriegsmarine bestätigt.

Im Jahre 2000 hat das internationale Forschungsteam unter der Leitung von Sundberg den Versuch unternommen, ein Jungtier dieser Spezies in einem speziell zu diesem Zweck entwickeltem Netz zu fangen. Man hat nämlich angenommen, Seljordsvatnet sei der Lebensraum für einen Schwarm vorsintflutlicher Endemiten. Der amerikanische Fernsehsender CNN hat einen Bericht aus dieser Expedition vorbereitet. Zwar wurde Selma nicht gefangen, aber es ist erneut gelungen, dieses weder Grunzen noch Brüllen – denn diese Geräusche lassen sich nicht eindeutig einstufen – aufzuzeichnen. Außerdem wurden seltsame Trichter im Boden entdeckt, die an Verstecke der im Meer lebenden Schleimaale erinnern. Vielleicht nutzt dieses Etwas die Trichter, um sich vor den Netzen, Sonden und Sensoren zu verbergen?

Ein Bad mit Schauer

Meldungen über das Ungeheuer oder etwas, was für ein Ungeheuer gehalten werden kann, gibt es jedes Jahr – am meisten im Sommer, an heißen Tagen. Kein Wunder, dass dann der Zeltplatz in Seljord, an der Straße E 134, aus allen Nähten platzt. Die Touristen kommen hier her, um Erholung mit aufregendem Abenteuer zu verbinden: wer weiß, vielleicht sieht man was am Horizont? Es muss aber nicht unbedingt der Horizont sein, denn Selma schwimmt auch in der Nähe des Strandes, an die im Wasser herumtobenden Urlauber vorbei. Es lohnt sich also, von Zeit zu Zeit vorsorglich einen Blick auf den See zu werfen und auf der Decke immer eine Kamera, ein Fotoapparat oder ein Handy in Reichweite zu haben.

Damit es leichter wird, Ausschau nach Selma zu halten, wurde im Jahre 2011 in der Nähe des Zeltplatzes ein 17 Meter hoher Turm, Seljordstårnet (Bjørgeøyan Utkikkstårn) errichtet.

 

Turm in Seljord
Turm in Seljord. Foto: Marcin Jakubowski

Dem Objekt wurden bereits einige angesehene internationale Preise in der Architekturbranche verliehen. Vor allem hat sich aber der Turm als nützlich erwiesen: im Juli 2012 wurde vom Seljordstårnet die in der Nähe herumschwimmende Selma gefilmt und es sind die besten Aufnahmen dieses Ungeheuers aus Seljordsvatnet bis heute. Dieses Glück hat die 17-jähríge Lisbeth Vefall getroffen, die auf dem Turm zusammen mit ihrer Familie war.

Die sensationelle Aufnahme wurde vom norwegischen Fernsehen TV2 verbreitet – man kann sie sich auch auf YouTube ansehen.

Zum Trost – Telemark

Sogar wenn es uns nicht gelingt, den Pferdekopf, die Buckel oder wenigstens eine ungewöhnlich gewellte Wasserfläche zu Gesicht zu bekommen, werden wir die Telemark nicht unbeeindruckt verlassen. Man braucht nur den größten norwegischen Aquapark unter freiem Himmel zu besuchen – Bø Sommarland oder die Gemeinde Rjukan mit ihrer spannenden Geschichte des Kampfes um schweres Wasser. Gaustatoppen – der höchste Gipfel Telemarks, von dem man den sechsten Teil / 60% der ganzen Fläche Norwegens bewundern kann, wartet ebenfalls auf die Eroberer.

Baden in Südnorwegen
Südnorwegen. Foto: Johan Wildhagen – Visitnorway.com

Es gibt hier den Telemarker Kanal – ein phantastisches Denkmal der Hydrotechnik, durchquert von historischen Touristenschiffen. Darüber hinaus wartet die Telemark mit malerischen Ortschaften an der Küste und Sehenswürdigkeiten wie das Bluesmuseum in Notodden oder dem Zentrum des Nationalparks Hardangervidda auf. Man kann auch die Gelegenheit nutzen und das naheliegende Oslo besichtigen.

Ein Date mit Selma erleichtert vielleicht die Reise mit einer der modernsten Fjord-Line-Fähren – MS Stavangerfjord oder MS Bergensfjord. Die Fahrt aus dem dänischen Hafen Hirtshals nach Langesund (Oslo) dauert nur viereinhalb Stunden, nach nur zwei weiteren Stunden sind Sie dann in Seljord.

An und für sich ist die Telemark in keiner Weise langweilig, aber Selma ist doch am wichtigsten. Sie elektrisiert die Medien, regt Phantasien an, sorgt für Emotionen. Und sie ist wohl das einzige Ungeheuer weltweit, das über eine eigene Infoline verfügt. Wenn man sich Erzählungen über die Ereignisse anhören möchte, in denen die Bewohnerin von Seljordsvatnet die Hauptrolle spielt, braucht man nur unter der Telefonnummer (+47) 35 19 76 23, Durchwahl 29, anzurufen. Das Telefon funktioniert rund um die Uhr.